Peter Müller, 61,
Verwalter, Baden-Würtemberg

 

Worauf ich stolz bin in meinem Leben ...
oder was ich als Botschaft hinterlassen möchte, wenn ich den Löffel abgeben muss

Das Leben bringt neben den körperlichen auch seelische und geistige Veränderungen mit sich. Einstellungen, Werte und Bedürfnisse wandeln sich. Dem Zuwachs an Kompetenzen und Lebenserfahrung im Älterwerden steht ein Abnehmen der physischen Belastbarkeit gegenüber. Die Arbeitskraft und Gesundheit zu erhalten erfordert, anders als in jüngeren Jahren, besondere Aufmerksamkeit. Die Wertschätzung der erworbenen Fähigkeiten sowie die achtsame und selbstfürsorgliche Haltung gegenüber eigenen Bedürfnissen gehören zu den wichtigsten Kraftquellen, um sich die Freude an der Arbeit zu bewahren.

Meine Botschaft

 

Die wichtigste Rolle in meinem Leben ist die als Ehefrau und Mutter. Ich bin stolz auf meine zwei Töchter. Eine Zeit lang habe ich meine Oma versorgt und dabei sehr viel lernen können über Verantwortung, Zufriedenheit im Alter und verschiedene Sichtweisen auf gewisse Dinge. Die Versorgung meiner Oma war eine große Hilfe für sie und hat mit genauso viel gegeben, wie sie davon hatte. Ich konnte mit ihr meine Kindheitserlebnisse, die mir nicht gutgetan hatten aufarbeiten und habe in den Gesprächen einen gewissen Frieden gefunden, der bis heute anhält. Darauf bin ich stolz.

Seit zwei Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in einem Hospizdienst. Es macht Freude, sich um andere Menschen, denen es häufig nicht gut geht, wie uns selbst, zu kümmern. Ich finde in dieser Aufgabe eine Menge Freude. Es macht mich zufrieden, mit meiner Zeit etwas Sinnvolles anzufangen. Es ist so einfach, andere Menschen glücklich zu machen. Daraus ziehe ich für mich eine Menge Kraft und Zufriedenheit. Das spiegelt sich in meinem Verhalten. Ich habe für viele Sachen mehr Verständnis, als in jungen Jahren, bin geduldiger und nehme mich selbst nicht mehr so wichtig.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich alles nochmal so machen.

Meine Botschaft

 

Am 16. Oktober 2014 hat sich mein Leben von einer Sekunde auf die andere komplett verändert, nichts war mehr so, wie es vorher war. Meine Ehefrau bekam an diesem Tag wie aus dem Nichts die Diagnose, mit 42 Jahren unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Aus den prognostizierten 12 Monaten wurden 10 Monate, die intensivsten und lebensprallsten Monate unseres gemeinsamen Weges.

Nachdem wir den anfänglichen Schock ein wenig überwunden hatten, sahen wir uns vor die Entscheidung gestellt, entweder das Leben sofort zu beenden oder weiterzuleben und die uns verbleibende gemeinsame Zeit mit schönen Erlebnissen und Erfahrungen zu füllen.

Ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, diesen Wunsch meiner Frau umzusetzen und zu erfüllen. In den zehn Monaten bin ich stets an ihrer Seite gewesen, auch in dem Moment ihres Todes. Nie hätte ich für möglich gehalten, welche Stärke und Kraft in mir steckt. So konnte ich sie auf ihrem Weg begleiten, unterstützen, (aus)halten.

Ihren großen Wunsch, einmal in ihrem Leben die Toskana zu sehen und auf dem Campo in Siena zu sitzen und dem Treiben zuzuschauen, habe ich ihr erfüllt, entgegen aller Bedenkenträger, die diese Reise für zu gewagt hielten. Aber ich die kleinen Dinge im Leben, z.B. Artischocken essen, den Zirkus zu besuchen, unserem Hund beim Schwimmen zuzusehen, auf dem Balkon ein Glas Wein zu trinken, den Rosenduft im Garten zu riechen, den letzten Geburtstag mit Freunden zu feiern, haben dazu beigetragen, das Leben auszukosten und die Zeit sinnvoll zu füllen.

Trotz der schrecklichen Erfahrung, meine Frau verloren zu haben, ist mir ein anderer Blick aufs Leben geblieben, vielleicht bin ich auch weiser geworden. Ich werde keine Träume oder Wünsche auf die Zeit nach der Pension verschieben. Was andere Menschen denken und tun, ist in den Hintergrund gerückt. Ich bin ein Stück weit freier, unabhängiger und authentischer geworden, weil ich wichtig bin. Deshalb tue ich das, was mir gefällt und mir gut tut.

Leben ist so kostbar und kann von jetzt auf gleich beendet sein. Hören wir auf, immer so zu tun, als ob wir Zeit im Überfluss hätten und alle erst mit 90 stürben. Wir verpassen so das Leben.

Meine Botschaft